Finanzierung & Förderung

Ursachen für Krisen

Die Unternehmenskrise wird oftmals erst im Stadium der Liquiditätskrise wahrgenommen. Untersucht man jedoch die Ursachen der Krise, so erkennt man häufig, dass der Liquiditätskrise bereits eine Erfolgs- sowie auch eine strategische Krise vorausgegangen sind, diese aber nicht oder nicht rechtzeitig erkannt wurden.

Die strategische Krise ist dadurch gekennzeichnet, dass langfristig wirkende Erfolgspotenziale gefährdet oder vernichtet sind bzw. neue Erfolgspotenziale, die langfristig nutzbar sind, nicht in ausreichendem Maße geschaffen wurden. Erfolgspotenziale umfassen dabei z.B. rentable und marktgängige Produkte, qualifizierte und engagierte Mitarbeiter, rationelle Fertigungsverfahren, Markennamen, Forschungs- und Entwicklungserfolge, einen gesicherten Kundenstamm, die richtige Standortwahl, eine adäquate Betriebsgröße u.v.m.

Nach den Ergebnissen der Krisenforschung beginnt eine strategische Krise 3 bis 5 Jahre(!) vor der Insolvenz, die Erfolgskrise ca. 2 bis 3 Jahre und die Liquiditätskrise ca. 1 – 2 Jahre.

Unternehmer verschließen oft die Augen vor der Wahrheit

Warnzeichen gibt es viele – nur erkannt werden sie selten, Verdrängung statt Vermeidung scheint immer noch ein verbreitetes „Rezept“ zu sein, ohne dass allerdings die Nebenwirkungen bedacht werden, Nicht erst rückläufige Umsätze indizieren eine krisenhafte Entwicklung, es gibt viel mehr Kriterien, bei deren sorgsamer Beobachtung frühzeitig gegengesteuert werden kann.

Krisenursache = Managementfehler!?

Die Ursachen für Unternehmenskrisen im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen liegen nach Expertenerfahrungen zu 72% beim Management bzw. beim Unternehmer – z.B. bei falschen Finanzierungs- oder Absatzstrategien. Folgende Indikatoren können beispielsweise auf eine unzureichende Qualität des Managements hinweisen.

Ursachen einer solchen „hausgemachten“ Krise können beispielsweise sein:

  • Keine Definition von Unternehmensvisionen und Zielen
  • Keine Festlegung geeigneter Strategien zur Verfolgung der Unternehmensziele
  • Fehlendes Vorhandensein geplanter Maßnahmen um festgelegte Strategien umzusetzen
  • Keine bzw. keine ausreichende Überwachung der Zielerreichung
  • Schlechter Führungsstil des Managements
  • Mangelhafte Personalbedarfsplanung
  • Unqualifizierte und unmotivierte Mitarbeiter
  • Unsolide Finanzierungsverhältnisse
  • Hoher Verschuldungsgrad
  • Nicht ausreichende Eigenkapitalausstattung
  • Unzureichender Versicherungsschutz
  • Hohe Fixkostenbelastung
  • Vernachlässigung von Forschung und Entwicklung
  • Entwicklung unrentabler und schlecht verkäuflicher Produkte
  • Fehlinvestitionen
  • Falsche Standortwahl
  • Überalterung von Produktionsanlagen
  • Ineffiziente Fertigungsverfahren
  • Fehlkalkulationen von Produktherstellungskosten
  • Qualitätsmängel von Produkten
  • unzureichende Optimierung der Beschaffungsdurchführung und Lagerhaltung
  • Unzureichende Marketingaktivitäten
  • Nicht adäquate Vertriebsstrukturen
  • Unzureichendes Internes Rechnungswesen und Berichtswesen
  • Unterentwickeltes Controlling des Unternehmens

Es gibt allerdings auch Krisenursachen, die außerhalb des Unternehmens entstehen und auf das Unternehmen einwirken.

Risiken, die eine solche Krise auslösen, können z.B. sein:

  • Schlechte Konjunkturentwicklung
  • Schlechte Entwicklung der Branchenkonjunktur
  • Ungünstige Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen
  • Anstieg der Steuerbelastung aufgrund von Gesetzesänderungen
  • Kostenentwicklung bei der Beschaffung von Ressourcen
  • Unterbrechung der Rohstoffversorgung
  • Abhängigkeiten von wenigen Lieferanten bei der Beschaffung von Ressourcen
  • Unzureichendes Marktpotential
  • Abhängigkeiten von wenigen Kunden
  • Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und der Zahlungsmoral der Kunden
  • Ausfall von Forderungen gegen Kunden
  • Konkurrenzdruck auf dem Absatzmarkt
  • Eintritt zusätzlicher Konkurrenten auf dem Absatzmarkt (insbesondere aus dem Ausland)
  • Markteinführung von Substitutionsprodukten
  • Ungünstige Lohn- und Gehaltsentwicklungen bei Tarifgebundenheit
  • Steigende Finanzierungskosten aufgrund von Zinsänderungen
  • Restriktivere Vergabe von Krediten durch Kreditinstitute
  • Verstärkte Auflagen und Anforderungen aufgrund geänderter Kreditvergabenrichtlinien


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