Liquidität

PRAXISHILFE: Kassensturz

Das wichtigste in einer finanziellen Krise ist, sich zuerst einen Überblick über die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Schwierigkeiten des Unternehmens zu verschaffen. Sprich: Man muss einen Kassensturz machen. Wie sieht es auf dem Privat- und Geschäftskonto und in der Kasse aus?

Liquide Mittel

Wie viele „flüssige“ Mittel haben Sie in der nächsten Zeit zur Verfügung, um bestimmte Ausgaben zu tätigen? Wie weit ist der Dispositionskredit ausge-schöpft? Ist noch „Luft“ drin? Gibt es im privaten Bereich Mittel, die man ein-setzen kann, um die finanzielle Notlage zu beheben.

Übersicht:

Fällige Einnahmen und Ausgaben

Stellen Sie fest, wann Sie mit der Bezahlung Ihrer Forderungen rechnen können. Wie hoch sind die Außenstände? Und bis wann wiederum müssen Sie spätestens Ihre Rechnungen bezahlen?

Checkliste:

Mustervorlage oder Excel

Für eine solche Liquiditätsübersicht gibt es Mustervorlagen. Man kann sie auch z.B. mit Excel über eine ganz normale Tabellenkalkulation selbst erstellen. Und wer das alles nicht kann, muss trotzdem nicht aufgeben. Der nimmt ein ganz normales Blatt Papier, macht einen Strich in der Mitte und trägt alle Angaben zu verfügbaren Mitteln und anstehenden Ausgaben ein.

Übersichten:

Keine Angst vor großen Summen

Natürlich darf man keine Hemmungen haben, den anstehenden Ausgaben ins Auge zu sehen. Offenheit ist wichtig, um ein Gefühl für den Ernst der Situation zu bekommen und zu erkennen, ob allein Stundungen und Ratenzahlungsvereinbarungen in absehbarer Zeit die Krise wieder entschärfen können.

Vorübergehende oder dauerhafte Krise?

Stellen Sie anhand Ihrer Liquiditätsübersicht fest, ob es sich nur um eine vorübergehende Krise handelt. Das ist dann der Fall, wenn mit den zu erwartenden Einnahmen in absehbarer Zeit die Verbindlichkeiten, die noch zu leisten sind, beglichen werden können. Ernst sieht es aus, wenn das Verhältnis zwischen Einnahmen, Verschuldung und zu zahlenden Verbindlichkeiten überhaupt nicht mehr funktioniert. Hier sollte man gemeinsam mit einem Berater überlegen, wie man die Liquidität verbessern kann, ob und wie eine Kurskorrektur oder eine Sanierung machbar ist oder ob es keine Alternative zur möglichen Sanierung in der Insolenz gibt.

Prioritätenliste erstellen

Nach einem Kassensturz sollten Sie eine Prioritätenliste erstellen. Welche Verbindlichkeiten müssen Sie möglichst zeitnah bezahlen? Und vor allem: Welche Zahlungen sind für das unmittelbare Überleben des Unternehmens wichtig? Was passiert, wenn Sie diese Rechnungen nicht begleichen? Ver-gessen Sie auch nicht die Zahlungen, die dafür sorgen, dass das familiäre Umfeld möglichst stressfrei bleibt. Was das Unternehmen angeht: Die wich-tigsten Gläubiger, um die man sich kümmern muss, sind das Finanzamt, die Sozialversicherungsträger – wenn man Mitarbeiter hat – und der Vermieter.

  • Zahlungsverpflichtungen des Unternehmens
    Wichtig für den Unternehmensbereich ist die Begleichung der Miet-schulden. Denn ohne Büro, ohne Laden, kann man seine Arbeit nicht fortsetzen. Dazu zählen auch die Mitarbeitergehälter und deren Sozialversicherungsbeiträge. Achtung: wer keine Sozialversicherungsbeiträge abführt, macht sich strafbar. Mit Lieferanten kann man – in der Regel – reden und um einen Lieferan-tenkredit bitten. Wegen laufender Unternehmenskredite sollten Sie so früh wie möglich mit Ihrer Bank sprechen und ggf. über eine Verringerung der Raten verhandeln.
  • Private Zahlungsverpflichtungen
    Beitragszahlungen zur Krankenversicherung und weiteren Versicherungen sowie Mietzahlungen müssen sicher gestellt sein. Wer seinen Immobilienkredit für eine privat genutzte Immobilie abbezahlt, sollte mit der Bank verhandeln, um die Ratenzahlungen ggf. auszusetzen. Um Stress in der Familie zu vermeiden, sollten Sie mit Ihrer Familie sprechen und gemeinsam überlegen, wie Sie Ausgaben für Freizeit, Urlaub, Kleidung u.ä. reduzieren können.

Wichtig: Mit Gläubigern sprechen

Um ausstehende Zahlungen zu stunden (oder ggf. für einen Vergleich) sollten Sie offen mit Ihren Gläubigern über Ihre Lage sprechen. Erläutern Sie ihnen die Ursache der aktuellen Krise und machen Sie am besten durch eine Liquiditätsplanung deutlich, wann und wie sich Ihre Lage bessern wird.

Wichtig ist, dass Sie für Ihre Gläubiger erreichbar bleiben und nicht etwa untertauchen, um auf diese Weise die Lage zu verschleiern. Sie sollten viel-mehr umgekehrt aktiv werden und Ihre Gläubiger anrufen.

Checkliste:

Quelle: Frank Wiedenhaupt, Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insolvenzberatung Berlin e.V.


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