Unternehmensführung

E-Business: Marktplätze auswählen

Unternehmen, die in den elektronischen Vertrieb einsteigen, sollten über mehrere Marktplätze verkaufen. Die Anzahl horizontaler und vertikaler Marktplätze ist rasant gestiegen. Unternehmen müssen sich folglich bei einem Einstieg in den Handel auf elektronischen Marktplätzen fragen, auf welche "Pferde" sie setzen wollen.

Passendes Angebotsverfahren auswählen

Jedes Unternehmen sollte zunächst die eigene Angebotspalette überprüfen. Das Ergebnis entscheidet, wie es seine Produkte anbieten sollte: Direkte Angebote mit Festpreisen kommen vor allem für katalogisierbare, d. h. eindeutig beschreibbare Güter (z. B. Büroartikel) in Frage. Marktplätze mit Ausschreibungsverfahren bieten sich für Unternehmen an, die erst nach Auftrag arbeiten bzw. Einzelstücke fertigen. Je nach Produktgruppe können Sie in Frage kommende Marktplätze unter die Lupe nehmen und bewerten. Generell gilt: Allein die Tatsache, dass Marktplätze zu den folgenden Fragen Antworten anbieten, ist ein gutes Zeichen (und umgekehrt).

Auf richtige Branche für passende Güter achten

Für die Auswahl des geeigneten Marktplatzes ist entscheidend, ob die eigene Branche hier bedient wird und die passenden Güter gehandelt werden. Angebot und Nachfrage müssen also zusammenfinden. Je mehr Sie über Branche und Produkte wissen müssen, je spezifischer und komplexer die Vorgehensweise beim Handelsablauf selbst ist, desto wichtiger ist die Branchen-Ausrichtung des Marktplatzes (vertikale Marktplätze). Standardprodukte, die branchenunabhängig benötigt werden, kann man auf allen branchenübergreifenden Marktplätzen verkaufen (horizontale Marktplätze).

Käuferzahl und Zukunftschancen checken

Prüfen Sie, wie (überlebens-)stark ein Marktplatz ist. Fehlinvestitionen (z. B. für eine bestimmte Software) durch eine Bindung an einen Marktplatz, der wieder verschwindet, werden so vermieden. Erste Anhaltspunkte geben Nutzungsstatistiken (z. B. Anzahl der Verkaufsangebote oder Ausschreibungen) oder Zahlen registrierter Unternehmen. Sinnvoller ist es, sich die Betreibergesellschaft sowie die Partner des Marktplatzes genau anzusehen. Durch große Anbieter oder Nachfrager gegründete Marktplätze besitzen durch ihre bereits bestehenden Geschäftskontakte ein höheres Potenzial als unabhängige Handelsplattformen.
Unabhängige Handelsplattformen - die oftmals innovativer sind - besitzen dann gute Chancen, wenn sie relativ früh gegründet wurden und Zeit genug hatten, sich zu etablieren. Darüber hinaus sollte man die Marktplatz-Erfahrungen in dem fokussierten Handelsektor und auch sein Entwicklungspotenzial (insbesondere seine Finanzierungsmöglichkeiten) prüfen.

Sicherheit und Zuverlässigkeit prüfen

Die Sicherheit und Seriosität von Marktplätzen steht und fällt mit der Seriosität seiner Teilnehmer. Darum ist es wichtig, dass Marktbetreiber ihre registrierten Teilnehmer hinsichtlich ihrer Identität und ggf. Leistungsfähigkeit sowie Bonität überprüfen (z. B. durch Auskunfteien). Auf dem Marktplatz sollten möglichst nur überprüfte Unternehmen zugelassen werden. Dass die beteiligten Unternehmen geprüft sind, sollte deutlich angezeigt sein. Außerdem dürfen Daten von Unbefugten nicht eingesehen oder gar verändert werden können. Anwender sollten also darauf achten, dass sämtliche Transaktionsdaten sicher verschlüsselt werden können (Empfehlung: HTTPS-Verschlüsselung mit 128 Bit).

Verfügbarkeit beachten

Ein Marktplatz sollte rund um die Uhr verfügbar sein. Jede Minute, die er nicht online ist, kann zu Schäden oder Verlusten bei Kunden führen. Wenn beispielsweise auf sehr preisdynamischen Märkten ein Handel wegen technischer Probleme aufgeschoben werden muss, so können sich in der Zwischenzeit die Preise ändern und Nachteile entstehen.

Kosten berechnen

Marktplatzbetreiber erzielen ihre notwendigen Einnahmen gewöhnlich aus verschiedenen Quellen. Dazu gehören z. B. Transaktionsgebühren, Mitgliedsbeiträge, Werbung sowie kostenpflichtige ergänzenden Dienstleistungen. Diese Gebühren unterscheiden sich zum Teil erheblich, so dass potenzielle Teilnehmer die Gebührensätze genau prüfen sollten. Wichtig ist dabei auch, auf die Einkaufsseite zu schauen. Nur wenn die Summe der Kosten gerecht verteilt wird, findet der Marktplatz auf beiden Seiten die notwendige Akzeptanz.

Anbindung an betriebliche Informationssysteme schaffen

Eine Integration der Abläufe rund um den Marktplatz (bestellen, kaufen, bezahlen usw.) in die betrieblichen Informationssysteme (ERP-Systeme) führt zu einer erheblichen Effizienzsteigerung. Verkäufe können z. B. direkt an das Warenwirtschaftssystem oder das Rechnungswesen gemeldet werden. Kurzfristig können Marktplätze eine Möglichkeit anbieten, Daten zumindest manuell zu importieren oder zu exportieren. Auf lange Sicht sollte die Möglichkeit einer direkten und damit effizienteren Anbindung bestehen. Wünschenswert ist, dass Marktplatzbetreiber die Höhe der entstehenden Investitionskosten abschätzen können.

Hilfestellung bei der Systemnutzung verlangen

Nicht jeder Marktplatz ist für Laien leicht nutzbar. Besondere Probleme können z. B. bei der Teilnahme an Ausschreibungen oder Auktionen auftreten, bei denen Eingabefehler schnell und zuverlässig korrigierbar sein müssen, bevor diese verbindlich werden. Hilfefunktionen sind wichtig, damit Nutzer die Marktplatzbetreiber schnell und leicht ansprechen können.

Geographische Ausrichtung beachten

Der Anteil der Logistik an den Produktkosten darf nicht unterschätzt werden. Je geringer dieser Anteil ist, umso weiträumiger kann und sollte ein Marktplatz ausgerichtet sein. Sind die anteiligen Transportkosten jedoch hoch, so müssen Marktplätze Angebot und Nachfrage in jeweils räumlicher Nähe zusammenführen. Unternehmen, die weltweit verkaufen wollen, sollten darauf achten, dass der Marktplatz zumindest in der Handelssprache Englisch verfügbar ist und nach Möglichkeit die gewünschten Länder aktiv betreut (z. B. durch Vertriebs-Niederlassungen).

Problemlosen Geschäftsverlauf garantieren

Möglichkeiten oder Einschränkungen im Handelsprozess selbst spielen eine wichtige Rolle. Sie sollten mit den Augen des Verkäufers und Einkäufers gesehen werden. Denn nur, wenn beide Handelspartner im Marktplatz auf ihre "Kosten" kommen, werden sie ihn akzeptieren.

Klare Information

Wie gut sind die Information über die gehandelten Güter, über die Anbieter bzw. Nachfrager über Handelskonditionen und -regeln, über spezifische Bedingungen (z. B. Import/Export, technische Aspekte.) etc.? Wichtige weitere Fragen: Treffen Angebote und Nachfragen möglichst exakt aufeinander? Sind z. B. die Sparten des Marktplatzes so trennscharf, dass man tatsächlich nur Anfragen erhält, die auch wirklich relevant sind.

Hilfe bei Vereinbarung

Marktplätze sollten generell die Entscheidung für oder gegen einen Geschäftsabschluss unterstützen. Hier ist die Bandbreite groß: Manche Marktplätze bieten einfache Listen der Angebote an, andere bereiten diese in umfangreichen Entscheidungstabellen auf. Darüber hinaus ist es bisweilen nicht erwünscht, dass jedes Angebot allen Marktteilnehmern zugänglich ist. In diesem Fall muss es möglich sein, den Teilnehmerkreis zu beschränken. Insbesondere bei komplexen Gütern (z. B. Zeichnungsteile) sind Mechanismen zur Zusammenarbeit und Planung notwendig, die von einigen Marktplatzbetreibern durch zusätzliche Dienstleistungen unterstützt werden: z. B. durch Projektmanagementhilfen. Schließlich: Unterstützt der Marktplatz die gewünschte Handelsform: Festpreise, bilaterale Verhandlungen, Ausschreibungen, Auktionen, umgekehrte Auktionen (Reverse-Auctions) usw.?

Abwicklung

Unterstützt der Marktplatz die Lieferung der gekauften Güter? Viele Marktplätze sorgen für den physischen Transport der Waren durch Kooperationspartner oder bieten zumindest eine Vermittlung an. Wie teuer sind solche Service-Leistungen? Dazu kommt: Ist das Bezahlen kundenfreundlich organisiert? Werden Treuhandkonten angeboten oder die Erstellung von Sammelrechnungen?

Guter Service

Je komplexer die Produkte auf einem Marktplatz sind, desto wichtiger sind schnell verfügbare Hotlines oder Teleservices als begleitende Dienstleistung.


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