Innovationshürde Nr. 1: zu introvertiert
Viele Unternehmen holen zu wenige Informationen aus dem Markt ein, um den Stellenwert ihrer Idee realistisch einzuschätzen. Sie betrachten ihre vermeintliche Neuentwicklung zu sehr aus ihrem eigenen Blickwinkel. Das Ergebnis: Die "Neuentwicklung" ist nicht neu und hat daher geringe Marktaussichten, zumal der Vertriebsweg ungeklärt ist; dafür war der Investitionsbedarf für die Produktentwicklung umso höher. Viele machen auch einfach nur das nach, was die Konkurrenz vormacht, anstatt sich an den Kunden zu orientieren. Schließlich sind sie es, die die besten Ideen liefern. Wer die Bedürfnisse seiner Kunden kennt und weiß, welche Schwierigkeiten sie z. B. mit den unternehmenseigenen oder vergleichbaren Angeboten der Konkurrenz haben, sollte keine Probleme haben, innovative Ideen zu entwickeln.
Der unzureichende Blick nach außen führt dabei noch zu einem zweiten Problem: Viele Unternehmen wissen nicht, welche zukünftigen Entwicklungen die Konkurrenz plant. Im Ergebnis hängen sie auf diese Weise neuen Markttrends immer hinterher.
Innovationshürde Nr. 2: keine Ideen von außen
Die Ideen für erfolgreiche Innovationen müssen nicht immer aus dem eigenen Hause stammen. Es gibt jede Menge Erfolg versprechende patentierte Verfahren oder Produkte, die auf eine Umsetzung und Verwertung am Markt warten. Aber viele Unternehmer wissen das nicht oder wissen nicht, wie sie den Kontakt zu den Entwicklern herstellen können. Dabei hilft das Bundesministerium Für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Unternehmen, Erfindern und Hochschulen mit dem Förderangebot "SIGNO - Schutz von Ideen zur gewerblichen Nutzung" (www.signo-deutschland.de), ehemals INSTI: Dessen InnovationMarket (www.innovation-market.de) ist ein frei zugänglicher Internet-Marktplatz für Erfindungen, der Innovationsanbieter, Kapitalgeber und Unternehmen zusammenbringt. Informationen auch rund um das Thema "Patentverwertung" bietet der Patentserver des BMWi www.patentserver.de (www).
Innovationshürde Nr. 3: keine Kontinuität
Vor allem mittelständische Unternehmen beginnen erst dann, Ideenprozesse zu initiieren, wenn der Markterfolg vorhandener Produkte nachlässt und die Umsätze zurückgehen. Zuwenig verbreitet ist die Philosophie und Strategie, dass Produktfindungsprozesse laufend durchgeführt werden müssen, damit ein entsprechend hoher Nachschub an guten Ideen vorhanden ist. Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn ein stetiger Prozess lebt, der laufend Neues produziert.
Innovationshürde Nr. 4: kein Platz für Kreativität
Ideen für Innovationen fallen in aller Regel nicht vom Himmel, sondern müssen erarbeitet werden. Viele kleine und mittlere Unternehmen betreiben Ideenfindung aber eher nebenher, anstatt regelmäßig bewährte Kreativitätstechniken zu nutzen. Brainstorming, Brainwriting, die Methode 635 oder die Delfi-Methode sind dabei nur einige Möglichkeiten, mit deren Hilfe neue Ideen im Unternehmen entstehen können. Informationen hierzu finden Unternehmen in zahlreichen Veröffentlichungen von Fachautoren oder über Netzwerkewie z. B. SIGNO oder die Innovationszentren (s. auch GründerZeiten Nr. 39 "Gründungsideen entwickeln" (www)).
Innovationshürde Nr. 5: zu langsam
Der Faktor Zeit spielt in zweierlei Hinsicht eine wichtige Rolle. Erstens: Je schneller ein Unternehmen es schafft, eine Idee in ein verkaufsfähiges Produkt umzusetzen, desto schneller sichert es sich einen Wettbewerbsvorsprung. Zweitens: Es muss nicht immer ein neues Produkt sein, wenn es um Innovationen geht. Allein die Beschleunigung bestimmter Prozesse (z. B. Entscheidungs-, Produktions-, Vermarktungsprozesse) im Unternehmen führt in der Regel zu Wettbewerbsvorteilen. Zwar sind gerade Mittelständler für ihre Flexibilität und schnelle Reaktion auf dem Markt bekannt, dennoch muss auch hier immer wieder neu die Frage beantwortet werden, wie Abläufe im Unternehmen verbessert werden können. Entscheidende Unterstützung bieten dabei die Möglichkeiten des E-Business: neue Vertriebskanäle, Einkaufsplattformen, Einbindung externer Mitarbeiter. Wie kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeiten des E-Business optimal nutzen können, erfahren sie z. B. im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projektes "PROZEUS" (www.prozeus.de). Dabei werden anhand von Beispielen aus der Praxis individuelle Lösungen, aber auch Fallstricke aufgezeigt.
Quelle: Kerstin Krey, SIGNO-Projektmanagement, Köln. In: GründerZeiten 3 "Innovationen im Mittelstand" (www)


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