Unternehmensführung

Innovative Ideen auf den Weg bringen: Hochschulen unterstützen Unternehmen

Interview mit Prof. Dr. Heinz Trasch, Vorstandsvorsitzender der Steinbeis-Stiftung.



Prof. Dr. Heinz Trasch, Vorstandsvorsitzender der Steinbeis-Stiftung.

Welche Hilfestellung bieten die Steinbeis-Zentren bei der Entwicklung innovativer Produkte an?

Prof. Heinz Trasch: Ich möchte das zunächst an einem Beispiel verdeutlichen: Ein junger Unternehmer hat die Idee, gemahlene chinesische Süßwasser-Perlen als Zusatzstoff für Kosmetika zu verwenden. Dass die Inhaltsstoffe dieser Perlen einen positiven Effekt auf die Haut ausüben, wurde ursprünglich vermutet und durch experimentelle Daten gestützt. Nun will er mit diesem - für deutsche Verhältnisse - neuen Rohstoff in der Kosmetikbranche Fuß fassen. Dazu wendet er sich an ein Steinbeis-Beratungs- oder -Forschungszentrum in seiner Nähe. Dort wird gemeinsam mit geeigneten Kooperationspartnern aus der Hochschule zunächst einmal eine Vorstudie durchgeführt, in der die Inhaltsstoffe der Perlen und deren mögliche Wirkungsweise untersucht werden. Anschließend wird anhand eines genau festgelegten Arbeitsprozesses Schritt für Schritt aus den Perlen ein lösliches Pulver hergestellt, um den Wirkstoff optimal in Cremes zu verarbeiten. Das Ergebnis: Der Unternehmer brauchte von der Idee bis zum ersten Produkt etwa ein Jahr.

Unser Ziel ist es also, mit Hilfe unserer bundesweit mehr als 750 Steinbeis-Zentren Wissen, Infrastruktur und Arbeitsmethoden kleinen und mittleren Betrieben, Großunternehmen sowie Existenzgründern zur Verfügung zu stellen. Und zwar aus jeder Fachdisziplin. Dies kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen: beispielsweise in der Forschung, in der Produktentwicklung, in der Optimierung von Managementsystemen oder in der Prüfung von Verfahren, Erstellung von Gutachten bis hin zur Patentberatung. In vielen Fällen geschieht dies unter Nutzung hochschuleigener Infrastruktur und unter Einbeziehung von Hochschullehrern.

Inwiefern können auch Kleingründer von diesem Wissenstransfer profitieren?

Prof. Heinz Trasch: Fangen wir mit dem Existenzgründer an. Bereits während der Erstellung des Businessplans, den der Existenzgründer mit externer Hilfe entwickelt, können Literaturrecherchen oder betriebswirtschaftliches Know-how von Seiten der Wirtschaftswissenschaften wichtige und nützliche Inhalte liefern. Will der Existenzgründer als Geschäftsidee Produkte entwickeln und verkaufen, dann erwarten ihn weitere Schwierigkeiten. Er muss sich neben den betriebswirtschaftlichen Belangen um den Aufbau oder die Optimierung seiner Prozesse oder Verfahren, die Produktfertigung und den Aufbau einer Vertriebseinheit kümmern. Dabei haben wir der Einfachheit halber unterstellt, dass er seine erforderlichen Fertigungsräume mit Infrastruktur schon geschaffen hat und die Finanzierung seiner Pläne realisierbar ist. An diesem kleinen Beispiel ist erkennbar, welche immensen Zusatzarbeiten der Existenzgründer, neben dem eigentlichen Gründungsprozess, zu bewältigen hat. Er wird dankbar externe Hilfe der Experten verschiedener Disziplinen, Coaches, Business Angels o.a. aus dem Steinbeis-Verbund, von den Gründerzentren, von den Kammern und Verbänden oder von den Wirtschaftsförderungsgesellschaften annehmen. Ein weiteres Beispiel möchte ich anführen, wie durch Wissens- und Technologietransfer der Nachfolger eines kleinen aber älteren Handwerkbetriebs, z.B. eine Dreherei, durch Steinbeis-Experten unterstützt werden kann.

Kunden sind zwar vorhanden, aber die technische Ausstattung ist nicht mehr wettbewerbsfähig. Angemessen wäre beispielsweise eine Anlage mit moderner CAD-Technik. Eine solche Investition ist allerdings kostspielig und muss gut überlegt sein. Der junge Nachfolger erhält mit unserer Hilfe nun die Möglichkeit, sich die Technik an einer entsprechenden Hochschule anzuschauen und auf diese Weise gründlich und oft durch Unterstützung von Experten seine Anschaffung vorzubereiten. Es sind ja gerade die kleinen Unternehmen, die weder über das notwendige wissenschaftliche Know-how noch über die geeignete wissenschaftlich-technische Infrastruktur verfügen. Sie können daher von der Kooperation mit einem unserer Zentren an Hochschulen immens profitieren.

Nun bieten auch (Fach)Hochschulen, die nicht mit Steinbeis-Zentren verbunden sind, Dienstleistungen für Unternehmen an. Auf was sollten Existenzgründer und Unternehmer bei der Kontaktaufnahme achten?

Prof. Heinz Trasch: Zunächst sollten sie sich einmal die Internetseite der Hochschule anschauen: Bietet sie einen speziellen Service oder gar Seminare für Gründer und Unternehmer an? Gibt es speziell ausgewiesene Ansprechpartner? Die sollten in jedem Fall vorhanden sein, denn bei der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Einrichtungen, wie es die meisten Hochschulen hierzulande sind, und privaten Unternehmen können die bürokratischen Anforderungen recht hoch sein. Hinzu kommt die rechtliche Situation, die für einen Existenzgründer auch nicht einfach zu bewältigen ist. Insofern sollte ein zentraler Ansprechpartner dem Unternehmer die Arbeit, die im Zusammenhang mit der Kooperation steht, wesentlich vereinfachen. Empfehlenswert in solchen Fällen ist es, sich an die örtlichen Kammern, an Vertreter der Gründerzentren oder die Institutionen der regionalen Wirtschaftsförderung zu wenden. Die Berater dort kennen in der Regel geeignete Ansprechpartner von (Fach)Hochschulen und Steinbeis-Zentren, die Unternehmen in der Region ihr Know-how zur Verfügung stellen.

Stichwort "rechtliche Situation": Wie sieht es aus mit der Sicherung von Schutzrechten?

Prof. Heinz Trasch: Das Arbeitnehmererfindergesetz schreibt seit 2002 vor, dass z.B. die Erfindung eines Hochschulprofessors nicht mehr sein persönliches Eigentum ist, sondern das der Hochschule, an der er beschäftigt ist. Die besitzt damit die alleinigen Verwertungsrechte. Für einen Unternehmer, der eine Hochschul-Kooperation im Bereich der Produktentwicklung anstrebt, bedeutet das, dass er mit der Hochschulverwaltung eine entsprechende Vertragsabsprache treffen muss, die ihm das Verwertungsrecht des Forschungsergebnisses zusichert. Die Hochschule würde dann im Gegenzug beispielsweise eine Provision oder Umsatzbeteiligung erhalten. Hat der Unternehmer bereits eine Erfindung gemacht, deren Praxistauglichkeit, Umweltverträglichkeit oder andere Eigenschaften er nun noch testen lassen möchte, wird er, nachdem er seine Erfindung zum Patent angemeldet hat, mit dem zuständigen Hochschulvertreter eine Geheimhaltungsvereinbarung festlegen, um das Patentierungsverfahren keinesfalls zu gefährden. Die Steinbeis-Stiftung hat mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Baden-Württemberg eine Vereinbarung getroffen, die es bei Projekten zwischen Auftraggeber und Hochschulangehörigen, die Mitarbeiter von Steinbeis-Zentren sind, erlaubt, die Schutzrechte der Auftraggeber in einem einfachen Prozess mit der jeweiligen Hochschule zu gewähren. So fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft sein kann, eine gründliche Beratung sollte auf jeden Fall zu Beginn jeder Kooperation stehen.


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